Werte Newsletter-Abonnenten!
Ja es ist schon ein Zeiterl her, dass ich mich via NL gemeldet habe – und dass obwohl wir wieder einmal in sehr interessanten Zeiten leben. Aber genau diese interessanten Zeiten ließen einfach keine Zeit mehr zum Verfassen eines Newsletters übrig.
Eine berufliche Umorientierung (dazu demnächst ein Spezial-Newsletter), das Auslaufen eines privaten Mietvertrages inklusive dessen Erneuerung, wahnsinnig zeitfressende Probleme mit dem Visum meiner Frau (beides auch Ramada-bedingt) und ja, eine recht feuerkräftige Krise auch in unmittelbarer Nähe haben für wenig Schlaf, viele Interviewanfragen und wenig Zeit für Schönes gesorgt. Und genau jetzt, wo ich diese Zeilen verfasse (Sonntag-nachmittag) gabs wieder 3 Detonationen in unmittelbarer Nähe, die unsere Fenster zum Zittern gebracht haben und die ich bis in den Brustkorb hinein gespürt habe.
Dennoch sei unbedingt festgestellt, dass man sich trotz der militärischen Aktivitäten nicht gefährdet oder unsicher fühlt. Ich habe die Detonationen nur beschreiben, damit Sie, werter Leser, mehr Verständnis für die NL-Absenz haben. Aber zurück zum Lebensgefühl hier: der erste Tag war schon sehr überraschend und auch recht beeindruckend, zumal ich noch nie solch eine Situation erlebt habe und auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, was genau geschehen ist. Hier ein Video-Lagebericht vom 2. Tag (1. März)
Mit der Zeit wird man es aber gewöhnt, und kurioserweise verlässt man sich auf die Luftabwehr, die übrigens sehr gut funktioniert. Fast jede Nacht (auch heute) wurden wir durch Alarme (aufs Handy gespielt) geweckt.
Merkwürdigerweise schläft man aber gleich wieder ein. Auch tagsüber hört man sehr oft Detonationen aber auch Überflüge von militärischem Gerät bis hin zu Drohnen und Raketen. Nach einem Monat lernt man selbst als militärisch nicht interessierter Mensch ganz gut zu unterschieden, ob es ein Flugzeug, ein Abfangjäger oder was drohnen-/raketenartiges ist. Hätte mir das jemand zuvor erzählt, ich hätte es nicht geglaubt.
Interessant auch die Reaktion der Menschen hier. Schon am ersten Abend als eine abgeschossene Rakete in einem Gebäude 150 m von uns einschlug haben wir zusammen mit mehreren 100 Menschen sehr diszipliniert ein Shoppingcenter verlassen. Draußen brannte es und die Einsatzwägen rasten hin und her. Trotzdem warteten alle bei der roten Ampel, bis es grün wurde. Ich bin ja kein Freund von Menschenmassen, aber in so einer Situation bietet die Anwesenheit vieler disziplinierter Menschen, die gerade das gleiche Erleben unheimlich viel Ruhe und Stabilität. Hätte ich vorher auch nicht geglaubt.
Also man braucht sich keine Sorgen um uns (meine Frau und mich) zu machen, uns geht es sehr gut, die Versorgungslage ist hervorragend nur die nächtlichen Alarme und ein Oasch-Wetter (Stürme, Orkane, massive Regenschauer) für mehrere Tage nerven ein wenig. Im Übrigen begeben wir uns am Dienstag auf eine (schon vor Kriegsbeginn geplante) beruflich bedingte Reise nach Kuala Lumpur, Hongkong und Singapur und sind einmal für 2 Wochen aus dem Schussfeld.
Wer an den diversen Vor-Ort -Berichten und persönlichen Sichtweisen interessiert ist, den möchte ich auf unseren Bachheimer-Youtube-Channel verweisen. Hier finden sie diverse Lageberichte, Analysen aus den letzten Wochen.
Aber kommen wir zum Inhalt dieser Newsletter-Ausgabe:
In meinem Aufsatz „Die Jungs mit der Zwuschel/Steinschleuder“ beschreibe ich die Situation am Goldmarkt und die Gründe dafür, warum das Gold, anstatt zu steigen, gefallen ist – und warum dies kein Grund zur Sorge ist, sondern viel mehr die Vorbereitung für weitere. Gipfelstürme sein sollte.
Der Partisan der Schönheit, der ja aus diversen Kamingesprächen bekannt sein sollte, beschreibt in seiner Bachheimer-Newsletter-Premiere Russland als ein zutiefst widersprüchliches Land zwischen Tradition, Spiritualität und geopolitischer Machtpolitik, dass sich weder eindeutig dem Westen noch Asien zuordnen lässt, sondern eine eigene Zivilisation bildet. Gleichzeitig zeichnet er ein stark subjektiv geprägtes Bild, in dem historische Entwicklungen, religiöse Identität und Kritik am Westen zu einer Deutung verschmelzen, die Russland als kulturellen Gegenpol zur westlichen Moderne darstellt.
In meinem Beitrag „Nur vorrübergehend geschlossen“ berichte ich aus persönlicher Perspektive (nach 3,5 Jahren UAE), dass die Vereinigten Arabischen Emirate trotz aktueller geopolitischer Spannungen ein äußerst resilientes, wirtschaftlich starkes und strategisch klug positioniertes System darstellen, dessen Stabilität in Europa bewusst unterschätzt oder verzerrt dargestellt wird.
Und unser geopolitscher Analyst Wolfgang Effenberger beschreibt den Iran-Konflikt als strategisches Scheitern der US-Politik, die trotz militärischer Stärke ihre eigenen Ziele untergräbt. Er zeigt, wie Eskalation, fehlende Langzeitstrategie und innenpolitischer Druck die USA schwächen, während Iran durch asymmetrische Mittel an Einfluss gewinnt. Insgesamt entsteht das Bild einer geopolitischen Selbstsabotage, in der militärische Macht politische Lösungen ersetzt – mit gegenteiligen Folgen.
Noch einmal bitte ich um Nachsicht für das große zeitliche Loch zwischen den NL-Ausgaben und wünsche Euch einen möglichst hohen Erkenntnisgewinn verbunden mit entspanntem Lesegenuss.
Euer, Thomas Bachheimer