Von Redaktion auf Sonntag, 04. Januar 2026
Kategorie: KW 01

Kettensäge ohne Mut: Warum Uruguay weiter ist als Argentinien

von Thomas Bachheimer

Wenn selbst ein kleines Südamerika-Land wie Uruguay den Mut aufbringt, dem US-Dollar den Stinkefinger zu zeigen, dann wissen wir: Die weltweite Dollar-Hegemonie erlebt ihren ersten, ernsthaften Widerstand. Uruguay ist nicht irgendeine Ex-Kolonie, die sich hinter Verschwörungstheorien versteckt – es ist ein funktionierender Rechtsstaat mit jahrzehntelanger Stabilität, der nun zum Schweigen der Dollar-Bettelmäntel aufruft und sagt: Wir wollen wieder in unserer eigenen Währung leben.

Die Zentralbank Uruguays hat angekündigt, die Dolarabhängigkeit systematisch zu reduzieren und den uruguayischen Peso zu stärken. Das klingt simpel, ist aber ein Riesenakt: Fast zwei Drittel der Bankkonten Uruguays sind immer noch in US-Dollar denominiert – ein Relikt aus Zeiten, als man Angst hatte, der Peso könnte einfach verschwinden.

Mit Maßnahmen wie höheren Kapitalanforderungen für Dollar-Kredite, Eliminierung von Peso-Reserveanforderungen und der Übernahme von Preislisten in Pesos statt in Greenbacks beginnt Uruguay, den Dollar aus dem Alltag zu verdrängen. Das ist radikal. Das ist unbequem. Und ja: Das ist mutig – während andere noch zögern, zuckt Uruguay mit keiner Wimper.

Warum Uruguay's Schritt politisch so brisant ist
Man sollte die Dimension dieses Schrittes nicht unterschätzen: Bis vor kurzem war Uruguay eines der dollarisiertersten (gibt's das Wort eigentlich?) Länder Lateinamerikas überhaupt. Die Bevölkerung hortete Dollars wie im Mittelalter Goldbarren: als Schutz, als sichere Burg gegen Inflation und Währungscrashs. Doch jetzt sagt Montevideo: Wir probieren was Neues, wir geben dem Peso eine echte Chance.

Nicht aus Naivität, sondern aus Erkenntnis: Eine zu starke Dollarabhängigkeit bedeutet politische Erpressbarkeit. Sanktionen, Handelsbarrieren, Kreditlinien, Währungs-Weaponization – das alles hat Washington bewusst in sein geopolitisches Arsenal aufgenommen. Uruguay will dem entkommen, bevor es zu spät ist.

Und ja – Uruguay ist damit nicht allein: Der globale Trend zur Entdollarisierung ist real. Staaten und Regionen reduzieren die Dominanz des Dollars in Handel, Reserven und Finanzsystemen, nicht nur im brasilianisch-russisch-chinesischen Block, sondern auch in Asien, Afrika und im globalen Süden. Nur das ach so libertäre Argentinien gibt sich noch feige.

Argentinien: Die Kettensäge sägt alles – nur nicht den Dollar
Argentinien verkauft sich seit Monaten als libertäres Befreiungsexperiment. Javier Milei schreit „Markt! Freiheit! Staat weg!" und schwenkt dabei die Kettensäge wie ein religiöses Symbol. Doch hinter der Pyrotechnik steckt eine peinliche Wahrheit: Argentinien bleibt bis zum Hals im US-Dollar verstrickt.
Denn während Ministerien gestrichen, Subventionen gekappt und Sozialausgaben zerlegt werden, laufen Argentiniens Kredite weiterhin fast ausschließlich im Geld des Hegemons. Staat, Provinzen, Großunternehmen – alle betteln sie auf den internationalen Märkten um Greenbacks. IWF-Programme, Anleihen, Refinanzierungen: alles Dollar, nichts Freiheit.

Das ist keine Entdollarisierung, das ist finanzielle Vasallenschaft mit Freiheitsrhetorik. Wer sich in einer fremden Währung verschuldet, gibt seine geldpolitische Souveränität ab – und Argentinien hat sie längst auf dem Altar der „Marktvertrauensfähigkeit" geopfert. Sobald der Dollar teurer wird, explodiert die Schuldenlast, und das Land darf wieder nach Washington telefonieren, ob man bitte ein bisschen länger atmen darf.

Im direkten Vergleich wirkt Uruguay wie ein erwachsener Staat – und Argentinien wie ein rebellischer Teenager, der laut gegen den Staat wettert, aber seine Miete weiterhin beim Dollar-Vermieter bezahlt. Uruguay sagt: Wir holen den Peso zurück. Argentinien sagt: Wir hoffen, der Dollar schlägt uns diesmal nicht ganz so hart.
Die Kettensäge zerschneidet Budgets, aber vor dem Dollar kniet man weiter ehrfürchtig nieder. Mut sieht anders aus. Souveränität auch.

Warum Uruguay's Mut so scharf glänzt – und Argentinien feige wirkt
Während Uruguay also eine Gewohnheiten aufgibt, bleibt Argentinien irgendwo in der Schwebe: Es will lokal handeln, aber traut sich nicht, den Dollar wirklich loszulassen. Uruguay hingegen scheint zu sagen: Wir wissen, dass es hart wird. Aber genau jetzt ist der richtige Moment. Das ist nicht feige. Das ist strategische Weitsicht.

Was bedeutet das für den US-Dollar – und für die Welt?
Der Dollar ist nicht am Ende (noch lange nicht). Aber der Tanker, der jahrzehntelang die Weltwirtschaft dominierte, hat einen Riss im Rumpf. Ein paar Tropfen allein reichen noch nicht zum Sinken – aber Uruguay ist ein Schlag ins Wasser, der dem Giganten langsam das Gleichgewicht stiehlt.

Wenn Länder ihre Finanzarchitekturen weg von US-Treasuries und Dollarreserven hin zu lokalen Währungen, Multiwährungsstrukturen und regionalen Handels- Settlements bewegen, dann wird das Systemvolumen, die Liqudität und vor allem die vermeintliche Sicherheit für Washington jeden Tag ein bisschen kleiner.

Kurz gesagt: Der Dollar ist noch nicht tot – aber seine Herrschaft wird leiser, fragmentierter und weniger unangefochten. Uruguay hat den Mut, diesen Wandel konkret anzugehen, während andere nur darüber reden oder vor lauter Angst vor Sanktionen, Kapitalflucht und Verlust an Bonität zittern.

Fazit: Uruguay als südamerikanischer Leuchtturm der De-Dollarisation
Uruguay hat den ersten Schritt gemacht: Entdollarisierung ist kein Online-Hype mehr, sondern realpolitischer Prozess. Es wird nicht schnell gehen, es wird nicht schmerzfrei sein – aber es ist ein klarer Schritt in Richtung ökonomischer Selbstbestimmung. Während größere Staaten noch Taktiken austüfteln und Risiken abwägen, sich mutig geben aber in Wirklichkeit feige sind, sagt Uruguay: Wir packen es an. Und das ist mehr als bemerkenswert.