von Thomas Bachheimer


Italien plant eine einmalige Steueraktion auf private Goldbestände. Harmlos verpackt, fiskalisch verführerisch, politisch hochbrisant. Was unter dem wohl- klingenden Begriff „Regularisierung" verkauft wird, ist in Wahrheit ein Tabubruch: Der Staat greift nach jenem Vermögen, das seit rund 5.000 Jahren die private Notreserve des Bürgers ist. Gold – das letzte Geld, das ohne Versprechen, ohne Gegenpartei und ohne politischen Beipackzettel auskommt.

Wer hier nur eine technische Steuermaßnahme sieht, verkennt das größere Bild. Es geht nicht um Einnahmen, sondern um Kontrolle. Nicht um Gerechtigkeit, sondern um Zugriff. Und es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Italien dieses Thema als erstes offen ausspricht.

Die Regierung Meloni arbeitet an einer sogenannten „Rivalutazione". Private Besitzer von Goldmünzen, Barren und Schmuck sollen ihre Bestände nachträglich deklarieren und können diese mit einem begünstigten Satz von rund 12,5 Prozent versteuern. Im Gegenzug wird ein neuer steuerlicher Einstandswert vergeben, um später einer regulären Besteuerung von 26 Prozent zu entgehen.

Auf dem Papier klingt das fast freundlich. In der Realität erinnert es eher an einen Beichtstuhl mit Zahlschein. Wer kommt, zahlt weniger. Wer nicht kommt, zahlt später mehr. Das ist kein Angebot, das ist sanfter Zwang – fiskalisch elegant verpackt.

Parallel dazu wird politisch darüber diskutiert, das massive Zentralbankgold Italiens semantisch neu zu framen – als „Eigentum des Volkes". Das klingt demokratisch, ist aber wirtschaftlich brandgefährlich. Wo Staatsgold und Volksgold sprachlich vermischt werden, ist der Weg zum gedanklichen Zugriff auf privates Gold nicht mehr weit.

Gold ist nicht das Werkzeug des Steuertricksers, sondern das Instrument des vorsorgenden Bürgers. Italiener kaufen Gold aus Erfahrung: weil sie Inflation erlebt haben, Abwertungen, Schuldenkrisen und politische Improvisation. Nun soll ausgerechnet dieser vorsichtige Bürger seine letzte Versicherung offenlegen und besteuern lassen.

Es überrascht daher kaum, dass Italien diesen Weg geht. Die Lira war über Jahrzehnte ein Lehrbeispiel für Inflation. Wer so lebt, entwickelt ein angespanntes Verhältnis zu Papiergeld – und ein diskretes zu Gold. Gold war in Italien nie laut, nie protzig, sondern ein stilles Sicherheitsnetz.

Ironischerweise sitzt derselbe Staat auf einem der größten Goldschätze der Welt. Für den Staat ist Gold klug und stabilisierend, für den Bürger plötzlich erklärungsbedürftig. Diese Doppelmoral ist kein Ausrutscher, sie ist System.

Der eigentliche Tabubruch liegt nicht im Steuersatz, sondern in der Entzauberung von Gold als privater Sicherheitsreserve. Sobald Gold politisch wird, verliert der Bürger ein Stück monetärer Souveränität.

Italien kann Gold besteuern – aber nicht festhalten. Gold ist mobil, anonym und geht dort- hin, wo man es in Ruhe lässt. Treffen wird dieser Plan nicht die wirklich Vermögenden, sondern kleine Sparer und konservative Familien.

Das Drehbuch ist altbekannt: Goldflucht, Reputationsschaden, europäische Ansteckungs-gefahr – und paradoxerweise ein steigender Goldpreis. Denn jede staatliche Attacke auf Gold macht es attraktiver.

Fiat-Geld lebt vom Glauben. Gold lebt von seiner Existenz. Staaten greifen in Krisen nie aus Stärke nach Gold, sondern aus Schwäche. Gold ist das Gedächtnis der Währungsgeschichte – und es vergisst nie, wie Fiat-Systeme enden.

Kurz gesagt: Wer Gold besteuern will, führt keinen Kampf gegen Spekulanten – sondern einen Krieg gegen Physik, Ökonomie und gesunden Menschenverstand. Und diesen Krieg verlieren Staaten seit 5.000 Jahren. Sie schreiben nur jedes Mal das Lehrbuch neu.