Die Gender-Mauer fällt - Meine Damen und Herren, freuen Sie sich, es ist vorbei!
Von Thomas Paulwitz
Freuen Sie sich! Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Leser: Es ist vorbei mit dem Gendern. Unsere Sprache wird wieder entideologisiert. Alle Gendersterne, Genderdoppelpunkte und sonstige Sprachverrenkungen, die Sie jetzt noch sehen, sind entweder die Nachhutgefechte Ewiggestriger und verbohrter Ideologen, oder es sind einfach nur sprachliche Nachlässigkeiten von Mitläufern, welche die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt haben.
Haben Sie Geduld! Die zahlreichen Mitläufer dürften sich bald umstellen, zurückkehren zu einer genderfreien Sprache; gerade diejenigen, die sich aus der politisch motivierten Sprachverhunzung einen Vorteil erhofften und es dabei völlig übertrieben.
Zumal selbst die Grünen das Gendern nun aufgeben. Die Grünen, die diesen Sprachkampf doch einst am eifrigsten vorantrieben, in der unerschütterlichen Selbstgewissheit, moralisch völlig im Recht zu sein und mit sprachlichen Mitteln Gerechtigkeit für alle herzustellen – als ob das so einfach möglich sei! –, selbst die Grünen gehen allmählich auf Abstand zu den vermeintlich gerechten Sprachverhunzungen.
Robert Habeck, scheidender Vizekanzler und scheiternder Kanzlerkandidat, tritt plötzlich als Vorbild auf. Seine politischen Gegner reduzieren den Grünen Habeck oft auf einen „Kinderbuchautor". Doch auch wenn er in seiner Doktorarbeit wohl nicht ganz sauber gearbeitet haben soll – als im Januar 2025 Vorwürfe laut wurden, empfahl ihm die Universität Hamburg sehr schnell einige Nachbesserungen –, so hat er doch, zusammen mit seiner Frau Andrea Paluch, mehr als nur ein paar Kinderbücher geschrieben. Hinzu kommen mehrere Romane und Sachbücher. Außerdem übersetzten die beiden englischsprachige Lyrik ins Deutsche. Sobald sich Habeck in den politischen Ruhestand verabschiedet hat, dürfte sein literarisches Schaffen weniger skeptisch betrachtet werden.
Habeck gilt als besonders sensibel, denn gegen kritische Bürger stellte er als beleidigter Minister Hunderte Strafanzeigen (siehe Seite 3). Doch gerade diese Empfindlichkeit lässt ihn genau auf die Sprache schauen. „Wie in der Politik etwas gesagt wird, entscheidet, was in der Politik gedacht und was gemacht wird." Das stellte er bereits 2018 in einem Sachbuch fest. Es trägt den Titel: „Wer wir sein könnten – Warum unsere Demokratie eine offene und vielfältige Sprache braucht".
In seinem neuen Sachbuch „Den Bach rauf" verzichtet Habeck nun bewusst auf das Gendern und erklärt das auch: Zuerst habe er gar nicht darüber nachgedacht zu gendern, „weil ich so nicht schreibe oder spreche". Als er dann das Buch geschrieben hatte, kamen ihm Zweifel, ob er es nicht nachträglich an die Gendersprache anpassen sollte. Schließlich habe er sich ausdrücklich dagegen entschieden, anders als noch bei seinem vorherigen Buch.
Die vermeintlich gute Absicht, durch den Genderstern alle anzusprechen, schlage in ihr Gegenteil um, so Habeck: „Es fühlen sich eben nicht alle gemeint, sondern für manche oder viele fühlt es sich fremd an." Ohnehin sei es eher nur „ein gewisses Milieu", das gendere. Manche stoße das vor den Kopf, zeigt sich Habeck einsichtig. Von der grünen Sprachpolizei distanziert er sich: Es dürfe „nicht jedes einzelne Wort bewertet, nicht jeder Halbsatz zerlegt" werden.
Robert Habeck ist keine Ausnahme! Sein Buch ist lediglich ein Beleg dafür, dass sich der Wind längst gedreht hat. Erstmals gibt es im Deutschen Bundestag eine parlamentarische Mehrheit gegen das Gendern. Ob sich das auch in politischen Entscheidungen niederschlägt, trotz aufgezogener Brandmauer, bleibt abzuwarten. Beachten Sie bitte dazu auch die Leserbefragung auf Seite 10.
Es dürfte jedenfalls nur eine Frage der Zeit sein, bis das Gendern Geschichte sein wird. In einer Demokratie lässt sich der Volkswille nur über einen beschränkten Zeitraum hinweg unterdrücken. Bekanntlich lehnt nach allen repräsentativen Umfragen die überwiegende Mehrheit der Deutschen das Gendern ab.
Die Vereinigten Staaten sind wieder einmal Vorreiter. Wie auch das Gendern einst als Mode über den Großen Teich schwappte, so wird auch der Abschied vom „Wokismus", wie ihn die neue Trump-Regierung bereits eingeleitet hat, früher oder später in Deutschland ankommen. Präsident Donald Trump wies sofort nach Amtsübernahme die Bundesbehörden an, innerhalb von 60 Tagen alle Büros für „Diversität" zu schließen. Mitarbeiter ließ er in den bezahlten Urlaub schicken, Netzauftritte zu Diversitätsprogrammen abschalten. Die neue US-Regierung setzt wieder auf den biologischen Geschlechterbegriff. Sie erkennt nur noch männlich und weiblich an.
Was in den Staaten gilt, wird früher oder später in Europa, und gerade auch in Deutschland, nachgeahmt. So ist anzunehmen, dass auch in Deutschland Auswüchse wie Genderprofessuren und Genderleitfäden bald der Vergangenheit angehören werden. Die Frage bleibt, ob wir in Zukunft wieder alle Fehler des Westens nachvollziehen müssen oder ob wir uns nicht gleich des – in breiten Schichten noch vorhandenen – gesunden Menschenverstandes bedienen: Dieser hätte das Gendern gar nicht erst aufkommen lassen.