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Georgischer Tee mit chinesischem Twist - Georgiens Bedeutung für China und die neue Seidenstraße

Georgischer Tee mit chinesischem Twist - Georgiens Bedeutung für China und die neue Seidenstraße

von Die Fähe


"Vor hundertdreißig Jahren kam ein Chinese namens Liu Jui-chou nach Georgien und begann, chinesischen Tee anzubauen. Es war die erste Teeplantage in Georgien. Als ich selbst hier ankam, wusste ich nicht einmal, ob Tee bei so hohen Temperaturen - 41 Grad Celsius - wachsen kann", sagt der chinesischer Geschäftsmann Guo Chihong.

Im Jahr 2024 schloss Guo Chihong den Bau einer modernen Teefabrik in der westgeorgischen Stadt Khoni ab. Sein Unternehmen, die Hantangyuan International Holding Group, hat im Rahmen des staatlichen Programms „Georgian Tea" 78 Hektar Land gepachtet, wobei 34 Hektar bereits mit Tee bepflanzt sind. Im vergangenen Frühjahr erntete das Unternehmen seine erste Ernte und in diesem Jahr exportiert es bereits 5 Tonnen weißen Tee nach China. Der Tee stellt für viele Familien eine Einkommensquelle und eine Beschäftigung, die an die einst in der Region vorhandenen Teeplantagen erinnert, dar. Nach Ansicht des chinesischen Geschäftsmanns Guo Chihong machen verschiedene Faktoren den georgischen Tee besonders:

"Georgien hat alte Teesorten mit tiefen und starken Wurzeln bewahrt, die dem Boden mehr Nährstoffe entziehen. Der Tee wird ohne gentechnisch verändertes Saatgut, Pestizide oder Kunstdünger angebaut. Deshalb hat er einen so reichen Geschmack und ein so gutes Aroma. Ich glaube, dass Tee in Georgien genauso viel Potenzial hat wie die Weinherstellung".

Guo Chihong merkt an, dass vor mehr als zehn Jahren nur wenige in China über Georgien Bescheid wussten, doch das Interesse ist dank zusätzlicher Flugverbindungen und der Visafreiheit gestiegen.

Seit Aufnahme der Beziehungen 1992 intensiviert sich die Kooperation zwischen China und Georgien zunehmend. Während der Handel anfangs gering war, nimmt Chinas Interesse an Georgien seit einigen Jahren deutlich zu. Gründe dafür sind Georgiens Zugang zur EU, seine investitionsfreundliche Politik und seine Lage am Schwarzen Meer. Seit 2017 gibt es ein Freihandelsabkommen. Ab 2023 besteht eine strategische Partnerschaft, mit visafreier Einreise für Chinesen und mehr lokalen Unternehmen.

Chinas Wirtschaftsprojekt in Georgien ist nicht neu. Im 6. Jahrhundert behinderten die Auseinandersetzungen zwischen Byzanz und dem Iran den Transport von Seide nach Byzanz und in andere Länder des Mittelmeerraums. In dieser Situation stellte sich die Frage nach einer alternativen Route. Händler aus Zentralasien begannen, Georgien über den Pass von Darial nach Westgeorgien zu durchqueren, um Byzanz zu erreichen. Die erste Karawane, die mit Seide beladen war, durchquerte Georgien im Jahr 568. Im Nordkaukasus haben archäologische Ausgrabungen bestätigt, dass im späten 6. und in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts chinesische Seide über den Kaukasus nach Byzanz geliefert wurde.

Im Mai 2024 wurde der Einstieg eines chinesischen Konsortiums beim Bau des Tiefseehafens Anaklia bekannt gegeben. Bereits einige Jahre davor, am 3. Oktober 2016 unterzeichneten das Anaklia Development Consortium (ADC) und Georgien ein Abkommen zum Bau eines Schwarzmeer-Tiefseehafens. Ein moderner Hafen, der Georgien zur Handelsdrehscheibe zwischen China und Europa machen soll. Ziel ist es, Infrastruktur und Wirtschaft zu stärken, Nutzerkosten zu senken und regionale KMU zu fördern. Der Hafen wird große Schiffe abfertigen, Logistik und Industriecluster unterstützen und als Verbindung im Rahmen der chinesischen Belt and Road Initiative (BRI) dienen. Das ADC erhält außerdem das Recht, eine Freihandelszone neben dem Hafen auf etwa 600 Hektar Land zu errichten.

Georgien, als Teil der BRI, auch „Neue Seidenstraße"-Initiative, dient als Verbindung zwischen europäischen und zentralasiatischen Märkten. Aufgrund seiner geografischen Lage verkürzen sich die Transportwege und -zeiten von China nach Europa.

Vor Georgien galten Ungarn und Belarus als Chinas strategische europäische Partner im Rahmen von OBOR, One Belt One Road. China hat Georgien nie als einen wichtigen Akteur in Europa betrachtet, aber die Dinge haben sich geändert. Um eine Verbindung nach Europa herzustellen, müsste China viel Geld für die Infrastruktur in Belarus und Ungarn ausgeben. Man begann nach weniger kostspieligen Alternativen zu suchen. Hier kommen Georgien und die fast fertig gestellte Baku-Tbilissi-Kars-Eisenbahn ins Spiel, die einen Verkehrskorridor zwischen Aserbaidschan und der Türkei vervollständigen soll, der genutzt werden kann, um Zentralasien und China auf dem Schienenweg mit Europa zu verbinden.

Die Baku-Tbilissi-Kars-Bahn ist Georgiens zweites Projekt der BRI. Sie wurde 2017 von mehreren Ländern eröffnet. Es handelt sich um eine wichtige internationale Eisenbahnverbindung im Südkaukasus, die die Türkei, Georgien und Aserbaidschan verbindet. Sie spielt eine bedeutende Rolle im Güterverkehr zwischen Europa und Asien, insbesondere als Teil des "Mittleren Korridors" (auch „Transkaspische Internationale Verkehrsroute", TITR) der Neuen Seidenstraße. Ein Schlüsselelement der eurasischen Logistik, besonders für aserbaidschanisches Öl, georgischen Transitverkehr und chinesische Güterströme. In Zukunft können jährlich bis zu 17 Millionen Tonnen Fracht und drei Millionen Passagiere befördert werden. Vorerst läuft nur der Güterverkehr durchgehend, während einzig der Abschnitt zwischen Georgien und Aserbaidschan auch für Passagiere geöffnet ist.

Seit 2015 findet jährlich das Tbilisi Belt and Road Forum statt, das sich mit der Rolle Georgiens in der BRI befasst, um diese zu stärken und Investitionen in Infrastruktur, Handel und Logistik zu fördern.

Georgien und China profitieren wirtschaftlich und geopolitisch von der BRI. Für Georgien bringt die Zusammenarbeit mit China mehr Handel über die südliche Eurasien-Route und unterstützt das Ziel, Transportknotenpunkt zu werden. Diese Partnerschaft ergänzt die euro-atlantische Orientierung.

China stärkt seinen geopolitischen Einfluss, bindet Nachbarländer enger an sich und schafft neue Handelsrouten, die Blockaden umgehen können. Durch Projekte wie der Anaklia Hafen baut China seine maritime Präsenz aus und verbessert die Verbindung nach Europa. Zusätzlich zum Schienenweg stärkt es die Handelsroute über den Kaukasus und verringert die Abhängigkeit von traditionellen Routen wie zB auch dem Suezkanal. Chinesische Infrastrukturprojekte schaffen in Zentralasien neue Ost-West-Routen, besonders Alternativen zur EU abseits von Russland. Georgiens Lage ist für China entscheidend, da sie den Transport nach Europa deutlich beschleunigt.
(International Association "Trans-Caspian International Transport Route")


https://observatoirenrs.com/wp-content/uploads/2020/06/PublicationGeorgieBRI062020-1.pdf

https://bsi-economics.org/belt-road-initiative-enjeux-chine-partenaires-st/

https://openknowledge.worldbank.org/server/api/core/bitstreams/ed807524-d7e5-5867-84d3-34e61a77c6bd/content#:~:text=Georgia%20is%20a%20core%20BRI%20country.%20projects,to%20becoming%20a%20transit%20and%20trading%20hub.

https://oilprice.com/Geopolitics/International/The-Hidden-Costs-of-Georgias-Partnership-With-China.html

https://www.swp-berlin.org/publications/products/comments/2018C13_smk.pdf

https://caucasuswatch.de/en/insights/georgias-role-in-chinas-belt-and-road-initiative-might-increase.html

https://carnegieendowment.org/russia-eurasia/politika/2023/08/whats-behind-chinas-strategic-partnership-with-georgia?lang=en

https://www.banquemondiale.org/fr/topic/regional-integration/publication/belt-and-road-economics-opportunities-and-risks-of-transport-corridors#:~:text=R%C3%A9sum%C3%A9%20:,des%20habitants%20des%20pays%20participants.

https://www.kusakveyol.org/en/south-caucasus-in-the-context-of-belt-and-road-initiative/#_edn7

https://thediplomat.com/2016/04/georgia-the-key-to-chinas-belt-and-road/

https://www.logistik-express.com/neuer-tiefseehafen-fuer-die-republik-georgien/

https://observatoirenrs.com/wp-content/uploads/2020/06/PublicationGeorgieBRI062020-1.pdf#:~:text=Parmi%20les%207%20corridors%20%C3%A9conomiques%20de%20l%27initiative,projet%20des%20Nouvelles%20Routes%20de%20la%20Soie.

https://www.intellinews.com/halligan-georgia-on-my-mind-and-china-s-too-381980/

https://www.tbilisisrf.gov.ge/en/b2b/29-anaklia-development-consortium