von Dr.Dr. Heinz-Dietmar Schimanko
Trump hat nach dem von den USA am 03. Jänner 2026 in Venezuela durchgeführten Militärschlag, bei dem Venezuelas Präsident Nicolás Maduro arretiert und in den Bundesstaat New York gebracht und dort konfiniert wurde, in Form einer Absichtserklärung der Vizepräsidentin Venezuelas ein Angebot unterbreitet, das sie kaum ablehnen kann.
Die Ausgangssituation
Die USA sind sich unter der Regierung Trump der Situation bewußt geworden, daß sie an einem Imperial Overstretch leiden (Herfried Münkler, Die neue Weltordnung - Zwischen Deglobalisierung und neuen Allianzen, Vortrag am Industriekonkress 20.07.2025, Industriemagazin [ab Min. 19:55, 23:05, 30:50 und insb. 33:30]). Daher geben sie die Funktion als globale Hegemonialmacht auf und ziehen sich aus Europa und anderen Schauplätzen zurück, um sich auf ihre Hauptinteressensgebiete zu konzentrieren, Südamerika und Ostasien mit Japan und mit Taiwan als dem "zweiten Silicon Valley" der USA. Nur so können sie den Chinesen in diesen Regionen Paroli bieten (cf. Niall Ferguson, Israel, Islam & the New Cold War, John Anderson Media 14.11.2023 about the New Cold War between USA and China [min. 29:25 and 49:00], and Niall Ferguson, How Trump Is Changing America and the World, A Charlie Rose Global Conversation 05.09.2025, about Donald Trumps presidency).In Panama haben sie sich ihre Position gesichert (Panama erlaubt amerikanische Truppen am Panamakanal, NZZ 11.04.2025; zur Vorgeschichte Schimanko, Trump und der Panamakanal, bachheimer.com NL 2/2025).
Zur aktuellen Entwicklung in Venezuela
In einem nach dem am 03. Jänner 2026 in Venezuela durchgeführten Militärschlag der USA erschienenen aktuellen Bericht, in dem auf Ausführungen des Lester Munson vom US Studies Centre Bezug genommen wird, ist folgendes zu lesen über die Absichten des US-Präsidenten Trump:
"Präsident Trump hat erklärt, daß die USA planen, in absehbarer Zukunft die Kontrolle über das südamerikanische Land zu übernehmen.
Er sagte auch, er werde versuchen, mit Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodriguez zusammenzuarbeiten, die eine Verbündete von Präsident Maduro war.
Dieser Schritt würde die Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado, deren politischer Kandidat Edmundo Gonzalez Urrutia die Wahl 2024 gewonnen hatte, effektiv ins Abseits drängen.
‚Versucht Präsident Trump wirklich, dies über Vizepräsidentin Rodriguez zu regeln, die eine überzeugte ‚Chavistin' ist?', fragte Munson.
‚Das scheint mir nicht funktionieren zu können. Und außerdem würde Maria Corina Machado damit in die Ecke gedrängt werden. Sie ist die wahre Verfechterin der Demokratie in diesem Land.'
‚Chavista' ist ein Begriff, der Anhänger des ‚Chavismo' bezeichnet, der linken Ideologie, die Maduro von seinem Vorgänger, dem ehemaligen Präsidenten Hugo Chávez, übernommen hat.
Munson sagte, die neue venezolanische Regierung müsse den Durchschnittsbürgern wirtschaftliche Stabilität bieten und eine glaubwürdige Führung etablieren, um Unruhen zu verhindern.
‚Marina Corina Machado und ihre Mitstreiter scheinen mir die logische Wahl für diese Art von Legitimität zu sein... Wir werden sehen, wie sich Präsident Trump entscheidet,' sagte er."
(Oscar Godsell, Venezuelan President Nicolas Maduro faces US narco-terrorism trial following capture and indictment in New York, Sky News Australia, 04.01.2026).
Mit diesem Kommentar übersieht Munson die wahren Absichten der US-Regierung. Diese bestehen darin, im Erdöl-Staat Venezuela Fuß zu fassen, bevor die Chinesen es tun, wie sie es insbesondere in Afrika getan haben. Das wurde bereits früher erkannt, etwa von Mitgliedern von Her Take in einer am 03.09.2025 (exakt vier Monate vor dem US-Militärschlag) veröffentlichten Diskussionssendung:
"Das Panel diskutiert Trumps Entscheidung, US-Kriegsschiffe vor der Küste Venezuelas zu stationieren. Offiziell wird dies als Vorgehen gegen Drogenkartelle dargestellt, wirft aber tiefere Fragen zu Öl, China und einem Regimewechsel auf. Sie analysieren Nicolás Maduros Reaktion, die Rolle der BRICS-Staaten und die Frage, ob diese Strategie Venezuela näher an Russland und China heranführen könnte. Das Gespräch beleuchtet die Geschichte gescheiterter Regimewechsel, die Kosten militärischer Eskalation und die globalen Folgen amerikanischer Interventionen."
(Trump entsendet Kriegsschiffe vor die Küste Venezuelas, um die Pattsituation zu verschärfen, Her Take 03.09.2025)
Drehbuch der CIA
Die Absichtserklärung von Trump, er werde versuchen, mit Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodriguez zusammenzuarbeiten, ist ein klar verständliches Angebot an sie, bei dessen Annahme sie an der Macht bleiben könnte. Es wäre für die US-Regierung einfacher. Dies in zweifacher Hinsicht. Zum einen haben Delcy Rodriguez und ihre Partei eine etablierte Machtstruktur in Venezuela. Zum anderen ist eine Diktatur leichter lenkbar als eine Demokratie.
Das Drehbuch, daß die US-Regierung in einem Staat eine von ihr gesteuerte autokratische Regierung etabliert, allenfalls mit scheindemokratischen Strukturen, ist nicht neu. Es ist ein altes Konzept der CIA (dazu näher Tim Weiner, CIA - Die ganze Geschichte, 8. Auflage 2021).
Das Angebot Trumps erfolgt vor dem Hintergrund, daß die USA die Luftwaffe und die Luftabwehr Venezuelas vernichtet haben, womit sie die Lufthoheit über Venezuela haben und jederzeit durch Bodentruppen überall in Venezuela mit Luftunterstützung eingreifen können. Die US-Flotte und die US-Luftlandeeinheiten sind vor der Küste Venezuelas.
Ein weiterer Schritt von der regelbasierten zur machtbasierten Weltordnung (Herfried Münkler, Macht im Umbruch, Stiftung Demokratie Saarland, Vortrag am 26.11.2025).